REALer Kapitalismus


Ich war heute einkaufen bei REAL. Die REAL-Supermärkte gehören zum großen METRO-Konzern, wie z.B. auch Media-Markt, SATURN, … .

Schaust du hier.

Auf der suche nach einem Christstollen habe ich zwei Mitarbeiter angesprochen, die gerade Waren in die Regale einordneten. “Wo finde ich Christstollen?”, habe ich gefragt. Sie haben mich nur fragend angeschaut und wußten gar nicht was ich wollte. Hinten auf ihren Arbeitswesten stand KÖTTER, ich zog weiter und suchte gezielt nach REAL-Mitarbeitern.

Vergebens, erst jetzt fielen mir die vielen Menschen auf, die mit der Aufschrift Kötter Paletten mit Ware durch die Gänge zogen oder Waren einordneten. Weit und breit kein REAL-Mitarbeiter, versuchst du noch einmal dein Glück und fragst jemanden von KÖTTER. Die Mitarbeiterin lächelte mich an und verwies mich auf 4 Gänge weiter.

Ich kam meinem Christstollen näher und konnte es schon förmlich riechen, alles was das weihnachtliche Herz begehrt Dominosteine, Printen, Baumkuchen, Weihnachtsmänner, … , aber keine Christstollen.

Gefrustet und entmutigt ging ich Richtung Käsetheke und da waren sie, die Christstollen. Ich habe sie durch Zufall gefunden.

An der Kasse war eine waschechte REAL-Kassiererin (REAL-Kittel), die habe ich auf meine Entdeckung mit den KÖTTER Leiharbeitern angesprochen. Sie sagte mir, “die Sitzen auch an den Kassen, mehrheitlich”, ich fragte ob denn momentan gestreikt wird, sie verneinte.

Die Leiharbeiterfirma KÖTTER hat mit ihren Mitarbeitern viele Arbeiten übernommen und damit auch Arbeitsplätze, die früher durch REAL-Mitarbeitern besetzt waren.

Bei meiner Recherche im Internet bin ich auf folgenden Artikel vom 19.11.2007  gestossen:

Die fast lautlose Ver.di-Oper

Die Arbeitnehmer des deutschen Einzelhandels kämpfen für bessere Löhne. Doch bislang merkt das kaum jemand, weil streikende Kassiererinnen durch Leiharbeiter ersetzt werden.

[...]

Während Marina W. am vergangenen Montag im Berliner Ver.di-Zug demonstrierte, saß an der Kasse ihres Reinickendorfer Real-Markts schon Ersatz: Dort kassierte Andreas W. und war stolz darauf, wie gut es an seinem zweiten Tag in dem Laden bereits lief.

Die Zeitarbeitsfirma Kötter hatte den 22-Jährigen als Streikbrecher angeheuert – für 6,50 Euro die Stunde. Und so sitzt Andreas W. nach einer abgebrochenen Lehre bei Lidl nun als Tagelöhner an der Real-Kasse und verteilt “Treuepunkte” an die Kunden.

Rund 50 Kötter-Kräfte waren während des Ver.di-Ausstands allein in den Berliner Real-Märkten für jeweils vier Tage im Einsatz. Einen auf diese wenigen Tage befristeten Arbeitsvertrag als Minijobber sollten sie erst nach getaner Arbeit erhalten. Die Eile zwinge zu solchen Ausnahmen, heißt es in der Berliner Dependance der Leiharbeitsfirma.

Das Unternehmen heuert ganz gezielt für Streikfälle Personal an – obwohl es als Mitglied des Bundesverbands Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen (BZA) einem Manteltarifvertrag unterliegt, der vorsieht, dass Mitarbeiter nicht in Betrieben eingesetzt werden, die durch einen Arbeitskampf unmittelbar betroffen sind.

[...]

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Dieses Problem hat der METRO-Konzern wohl dadurch gelöst, dass sie direkt auf KÖTTER-Mitarbeiter setzen und ihr Stammpersonal auflösen.

Ich werde mir in Zukunft überlegen ob ich überhaupt noch einmal bei REAL einkaufen gehe, denn die niedrigen Preise finanziere ich durch meine Steuerabgaben und den Beiträgen in die Sozialkassen.

Denn es kann mir keiner erzählen, dass die KÖTTER-Mitarbeiter mit einem Stundenlohn von 6,50€ ein menschenwürdiges Leben führen können und nicht noch einen Anspruch auf HartzIV haben, um das Einkommen auf das Existenzminimum aufzustocken.

“REAL, Einmal hin. Alles drin. “, oder wie ich es formulieren würde,”Ist der Ruf einmal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.”

Keine Kommentare

  1. Christian sagt:

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    Dann wird dir das Einkaufen generell schwerfallen in Zukunft.

    Derartige Ausweichmechanismen sind im Einzelhandel weit verbreitet. In jedem größeren Kaufhaus wie Karstadt oder Galeria Horten o.ä. gibt es Verkaufsflächen für Premiumanbieter. Überwiegend im Heimtextilbereich oder im Bereich hochwertiger Keramik und Haushaltwaren.

    Beschäftigt sind dort Mitarbeiter, die häufig keine Kaufhausmitarbeiter sind, sondern auf Kommissionsbasis mit den Herstellern arbeiten. Diese sind direkt vom Umsatz der jeweiligen Produkte abhängig und verdienen zum großen Teil ausserordentlich lausig.

    Da das Ganze aber auf Gewerbe, Subgewerbe oder freiberuflicher Tätigkeit beruht ist das für einige auch eine Möglichkeit den einen oder anderen Euro nebenbei zu verdienen, was allerdings die anderen Mitarbeiter im Kaufhaus wiederum unter Druck setzt u.s.w.

    Ein scheussliches Schlamassel (im übrigen ein schöner Ausdruck aus dem Jiddischen), aus dem man ohne Mindestlöhne nicht herauskommen wird.

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